Ausstellungen
Erste Fassung
Beginn: 14.09.2018, 11:00 Uhr
Ende: 14.09.2018, 17:00 Uhr

Neue Galerie
Rennweg 1, Großes Tor, Hofburg
6020 Innsbruck

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Eventinformation

Ricarda DenzerErste Fassung (Interpretation)

Ricarda Denzer

Ricarda Denzer lotet in ihren transmedialen Arbeiten die Grenzen von Video- und Medienkunst aus. Im Fokus steht die Beschäftigung mit offenen Formen, einem akustischen und filmischen Denken und performativen Phänomenen wie der Stimme, dem gesprochenen Wort, Formen von Erzählung und Sprache.

Denzer thematisiert in ihren Arbeiten die Handlungsfähigkeit an der Schwelle von Fakt und Fiktion in gesellschaftspolitischen und künstlerischen Prozessen. Am Beginn steht oft das Hinhören, die Mündlichkeit, das Erzählen. In Folge verbindet Denzer in audiovisuellen Forschungsräumen Video, Text, Foto, Hörstück, Zeichnung, Objekt und Rauminstallation zu einer komplexen und selbstreflexiven, künstlerischen Position, durch die sie sich mit Orten, Personen und der Zeit in der sie lebt in Beziehung setzt.

Die Künstlerin widmet sich in ihrer aktuellen Serie der Erschaffung eines Werkes und gleichzeitig schon seinem Verfall. Wie in der Archäologie werden die „Fehlstellen” eines Fundstückes bei der Restaurierung interpretiert und entweder mit Material ergänzt oder als Leerstellen belassen. Das „Einschmutzen” des Abgusses eines historischen Objekts mit dem Originaldreck des Fundortes, um die Kopie echter aussehen zu lassen, eine Methode von Archäolog_innen, interpretiert Denzer in vielerlei Hinsicht. Das Original steht hier für die Quelle, für das Dokument und den Ursprung. Im künstlerischen Prozess ist die Bewegung zwischen dem Vorfinden eines Objektes, dem dokumentarischen Moment und der Abweichung vom Original also dem neuen Zusammenfügen in der Produktion von Fiktion und Erzählung durch Montage fließend.

Auf einer zentralen Achse im Eingangsbereich der Galerie, einer Wandfläche mit vorgezogener Plattform, sind Recherche-Materialien, Objekte und Werke, die den Entstehungsprozess ihrer Arbeit dem Muster von Sprache selbst entsprechend arrangiert – als ein Abwechseln von Modulation, Atem, Rhythmus, Stimmlage, Stocken, Pausen. Bewegung wird im Raum sichtbar. Ein weiterer Aspekt ist die körperliche Präsenz sowie die Thematisierung des abwesenden Körpers in Form von Spuren, Drucken, abgeformt, gerieben, getrieben, gehämmert, gezeichnet.

Das Freilegen von Schichtungen wird in der Auseinandersetzung mit Orten, Materialität, Erzählungen bis hin zur Stimme selbst geführt. Die Abtragung der Ocker Farben oder des Eisenerzes in Mienen unterhalb eines historischen Waldstückes in England, Bildmaterialien mit biografischen Bezügen oder Blaupausen werden als Impuls aufgenommen und arrangiert, ohne dabei die Orte konkret zu benennen. Dies gilt auch für ein zentrales Objekt der Ausstellung, eine ikonoklastische, sternförmige „Bronze-Maske“, die für Interpretation und Imagination gleichermaßen steht. Das verdichtete Display verdeutlicht Denzers künstlerische Methode.

Die Künstlerin arbeitet immer auch raumbezogen und verwendet für die Ausstellung in der Neuen Galerie Teile der Holzverschalung als Aufführungsort: Zum einen als tatsächliche Bühne mit Lautsprecherbox und Mikrofonen zur Aufnahme von dialogisch geführten Gesprächen, an anderer Stelle als Display für bildnerische Arbeiten. Die hinter den Verschalungswänden der Galerie liegenden historische Wandgemälde wiederum treten in Form eines Bildmotivs in Erscheinung, das von der Künstlerin, so wie der Titel der Ausstellung auch, dem dokumentarischen Befund der Restauratoren der Neuen Galerie entlehnt wurde. Ricarda Denzer spielt in Erste Fassung (Interpretation) mit einer offenen Form der Erzählung bei der die Erzählstränge zwar präzise gesetzt werden, aber nicht linear sondern räumlich gedacht werden.

Die Präsenz verschiedener Orte, Körper und Stimmen wird durch Objekte, Sound und Fragmente angedeutet und in vielschichtige Beziehungen gesetzt. Ricarda Denzers Erste Fassung (Interpretation)lässt als Denkmodell für eine multiperspektivische Erzählung Spielraum für Interpretationen aus der in einer weiteren Fassung eine Audio-Arbeit entstehen wird.



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